‚Menstruation around the world’ ist eine Themenreihe von Vulvani, die versucht die Vielfalt von Menstruationserfahrungen in aller Welt aufzuzeigen. Wir porträtieren Personen aus verschiedenen Ländern mit ihren persönlichen Geschichten. Lasst uns gemeinsam die wunderbare Welt der Menstruationserfahrungen erkunden und voneinander lernen, um die Verbindung von Menstruation und Spiritualität verstehen zu lernen.

Yasmine ist in England geboren, aber mit zwei Jahren nach Libanon gezogen. Als bei Yasmine primäre Dysmenorrhoe diagnostiziert wurde, hat sie angefangen, ihren Menstruationszyklus zu beobachten und ihren Lebensstil zu ändern. Heute versteht sie ihre Menstruation als spirituelle Praxis und heilt ihre Schmerzen durch eine tiefe Verbundenheit mit ihrem eigenen Körper und Zyklusbewusstsein. Sie lebt in Harmonie mit ihren inneren Jahreszeiten, wie die verschiedenen Phasen des Menstruationszyklus oft bezeichnet werden. Und so versteht sie ihre Bedürfnisse während des Zyklus auf eine ganz neue Weise. Vielen Dank, liebe Yasmine, dass du deine einzigartige Perspektive auf Menstruation und Spiritualität mit uns teilst.

Persönliche Eckdaten

Name: Yasmine
Alter: 30
Geschlecht: Weiblich
Geburtsland: England
Wohnort: Libanon
Job: Coach für Menstruationsbewusstsein / Designerin
Alter bei der ersten Periode: 10
Lieblings-Menstruationsprodukt: Waschbare Binden von EcoFemme
Kosten pro Menstruation: 0! Ich habe waschbare Stoffbinden hergestellt, die ich seitdem benutze.
Verhütungsmethode: Natürliche Familienplanung

1. Wie wird Menstruation in deiner Familie, Kultur oder auch Land gesehen? 

Viele libanesische Frauen* entdecken gerade die Kraft ihrer Menstruation. In den letzten Workshops, die ich gegeben habe, konnte ich den Enthusiasmus spüren. Sie möchten mehr über Themen lernen, die bereits intuitiv gefühlt werden. Doch bei vielen Menschen ist die Menstruation hier im Libanon meist noch ein Geheimnis.

Stoffbinden selber herstellen

Vor einigen Tagen habe ich hier mit einem Stofflieferanten telefoniert. Denn ich bin auf der Suche nach dem richtigen Material, um weitere Stoffbinden zu nähen. Während des ganzen Telefongesprächs kicherte der Verkäufer, als ob er zum ersten Mal von der Idee einer Menstruationsbinde aus Stoff gehört hatte. Er dachte, dass ich einen Scherz gemacht hätte. Er konnte nicht glauben, was meine Anfrage war, als ich ihm erzählte, dass ich einen Stoff mit hoher Saugfähigkeit als Ersatz für Einweg-Binden suche. Ich spürte, dass er wirklich unter Schock stand und irgendwie angeekelt war. Aber ich lächelte zurück und schickte ihm gute Energien.

Der Traum von einer Welt, in der die Menstruation gefeiert wird

Was meine Familie betrifft, reden wir nicht wirklich viel darüber. Ich wusste nicht einmal, wann meine Schwestern zum ersten Mal ihre Periode bekommen haben. Mittlerweile sprechen wir jedoch mehr darüber, da ich mich mehr und mehr dem Thema auch gegenüber meinen Schwestern und Freundinnen öffne. Ich habe das Gefühl, dass wir die Mauern der Scham durchbrechen. Ich spüre, dass das überall auf der Welt passiert. Das ist großartig. Ich träume von einer Welt, in der die Menstruation gefeiert und als eine Kraft anstatt als Schwäche gesehen wird.

2. Wie und von wem wurdest du über Menstruation aufgeklärt?

In der Schule wurde ich zum ersten Mal über Menstruation aufgeklärt. Es war in einem Klassenzimmer im letzten Stock unseres Schulgebäudes. Es fühlte sich also geheimnisvoll an. Wir waren alle schüchtern, als der Lehrer die Fakten präsentierte. Niemand stellte irgendwelche Fragen. Und das war es dann.

Menstruation und Spiritualität: Ein Ritual

Ich hatte viel Akne, litt unter chronischer Müdigkeit und wurde schließlich mit primärer Dysmenorrhoe diagnostiziert. Ich habe begonnen, meine Ernährung und meinen Lebensstil zu verändern. Und ich habe meinen Zyklus beobachtet, um zu verstehen, woher der Schmerz kommt. Ich habe herausgefunden, dass die Heilung meiner Schmerzen durch das Loslassen blockierter Emotionen, der Harmonisierung mit meinem Zyklus, der Verbindung mit meiner Weiblichkeit und durch die Praxis von Zyklusachtsamkeit möglich ist. Ich bin mit vielen Informationen in Berührung gekommen, die mich wirklich inspiriert haben, weiter zu machen und mich mit meiner inneren Wahrheit zu verbinden. Die wunderbare Schriftstellerin und Forscherin Lara Owen sowie die Gründerinnen der Red School haben mir die richtige Sprache gegeben, um die Verbindung aus Menstruation und Spiritualität verstehen zu können.

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Photo Credits: Yasmine

3. Erzähl ein bisschen von deiner ersten Periode.

Einen Tag zuvor habe ich noch mit meiner damaligen besten Freundin über Menstruation gesprochen. Einen Tag später fing sie dann an! Es war 6 Uhr morgens. Ich war auf dem Weg zu einem Marathon. Und nichts konnte mich aufhalten, nicht einmal meine Periode! Aber dort in der Hitze hatte ich das Gefühl, dass sich etwas in mir veränderte und ich musste mich ausruhen.

4. Welche Menstruationsprodukte hast du schon ausprobiert?

Always Ultra ist das Periodenprodukt, das ich während meiner gesamten Teenagerzeit bis zu meinem 25. Lebensjahr benutzt habe. Als sie ihre Produkte jedoch mit Parfüm versetzt haben, hat mir das überhaupt nicht gefallen. Und ich habe sie durch die fantastische plastikfreie Marke Natracare ersetzt, die Bio-Materialen verwenden. Die Bio-Binde ist sehr angenehm und fühlt sich so viel natürlicher an. Vor kurzem habe ich eine waschbare Stoffbinde von Ecofemme gekauft. Es war das Beste, was ich je gekauft habe! Seitdem benutze ich nur noch Stoffbinden. Dadurch wird meine Monatsblutung wirklich zu einem Ritual, die ganze Situation hat sich verändert. Ich kann es nur wärmstens empfehlen.

5. Menstruation und Spiritualität: Was machst du am liebsten, wenn du deine Tage hast?

Ich trinke gerne viele weibliche Tees, die Lavendel, Rinde der Herzbeeren, Kamille und Rosenblütenblätter enthalten. Besonders am ersten Tag als Anlass zum Feiern. Meine Lieblingsbeschäftigung während der ersten beiden Tage ist es, viel zu schlafen!!! Ich erlaube mir, mich hinzulegen und mich allem zu fügen, mich hinzugeben, nachzugeben, zu träumen wie an keinem anderen Tag im Monat. Denn ich verstehe die Menstruation als spirituelle Praxis. In den ersten Tagen meiner Periode verlasse ich mein eigenes Nest nicht gerne. Deshalb achte ich darauf, eine große Schüssel Tomatensuppe vorzukochen und alle Lebensmittel im Voraus einzukaufen.

6. Wie fühlst du dich während deiner Periode?

Kurz bevor ich meine Periode bekomme, fühle ich mich sehr euphorisch. Mein Bewusstseinszustand ist sehr geschärft. Ich habe das Gefühl, die Welt durch eine neue, erweiterte Linse zu sehen. Es ist wunderbar! Ich blute, wenn der Mond abnimmt und er fast dunkel ist. Am ersten oder zweiten Tag fühle ich mich deshalb ziemlich träge und möchte in der Dunkelheit allein gelassen werden. Ich erlaube mir in den ersten Tagen wirklich, mich zurückzuziehen. Denn mein Körper und mein Geist sind damit beschäftigt, sich zu erholen. Ich esse in den ersten Tagen gerne Tomatensuppe mit weißem Reis und Koriander. Die Rinde der Herzbeeren ist mein Lieblingsmittel gegen Beschwerden. Sie beruhigt mich und lässt mich einschlafen. Manchmal habe ich auch Lust viel zu weinen. So viele Emotionen und Visionen aus dem Vormonat oder sogar aus der Vergangenheit kommen an die Oberfläche und verlassen mich unter Tränen. Ich liebe diesen Prozess. Ich glaube, er ist wirklich heilig.

7. Mit wem sprichst du über Menstruation?

Ich spreche mit meinen Freundinnen, meinen Schwestern, meinem Partner darüber – aber meistens, wenn ich selbst unterrichte, spreche ich ausführlicher über Menstruation.

8. Hast du eine besonders lustige oder peinliche Menstruationsgeschichte?

Ich habe als Teenagerin (auf Flügen, im Klassenzimmer usw.) IMMER durch meine Hose geblutet.

9. Möchtest du noch etwas anderes erzählen?

Ja, ich möchte betonen, dass die Auseinandersetzung mit meinem Menstruationszyklus es mir ermöglicht hat, mich selbst besser kennen zu lernen und meine Bedürfnisse während des Zyklus ohne Scham zu verstehen. Das hat wirklich verändert, wie ich Dinge wahrnehme, wie zum Beispiel den Fortpflanzungsprozess. Das Bewusstsein für meinen Zyklus und das Verständnis der Verbindung von Menstruation und Spiritualität haben mein Leben nachhaltig verändert.

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Photo Credits: Yasmine

Hast du Lust ein Teil von ‚Menstruation around the world’ zu werden?

Wir hoffen, die  Porträts von menstruierenden Menschen so vielfältig und divers wie möglich präsentieren zu können. Und dafür brauchen wir dich – ganz egal, wie du zu deiner eigenen Menstruation stehst oder woher du kommst! Wenn du Lust hast, Teil dieser Serie zu werden und deine persönlichen Erfahrungen sowie Gedanken über Menstruation mit uns zu teilen, dann schreibe uns eine Nachricht oder fülle einfach den Fragenbogen aus (auch anonymisiert möglich). Wir freuen uns schon jetzt, deine Geschichte mit der Vulvani-Community zu teilen!

Britta
Co-Founderin Vulvani | britta@vulvani.com | Website | + posts

Britta Wiebe ist die Co-Gründerin von Vulvani. Am liebsten recherchiert, schreibt und konzipiert sie den ganzen Tag neue Artikel oder innovative Bildungsformate rund um Menstruation. Wenn sie nicht in der weiten Welt unterwegs ist, genießt sie ihre Zeit mit lieben Menschen im schönen Hamburg.