Wäh­rend vor ein paar Jah­ren noch fast aus­schließ­lich hor­mo­nell mit der Pille ver­hü­tet wurde, hat sich das Kör­per­be­wusst­sein in letz­ter Zeit deut­lich ver­än­dert. Der Trend geht dahin, dass immer mehr Men­schen ohne Hor­mone ver­hü­ten wol­len und die Pille nach jah­re­lan­ger Ein­nahme abset­zen. Denn hor­mo­nelle Ver­hü­tungs­me­tho­den beein­flus­sen den Hor­mon­haus­halt und kön­nen diverse Neben­wir­kun­gen mit sich brin­gen. Doch wel­che siche­ren Alter­na­ti­ven gibt es eigent­lich zu der Pille? Weit ver­brei­tet ist auch die Ver­hü­tung mit Kon­dom, die zu den Bar­riere-Metho­den gehört. Wer es jedoch noch natür­li­cher möchte, kann mit der Natür­li­chen Fami­li­en­pla­nung ler­nen, ver­schie­dene Körper­si­gnale rich­tig zu deu­ten. Hier wer­den nur an den frucht­ba­ren Tagen punk­tu­ell zusätz­lich Ver­hü­tungs­mit­tel ange­wen­det.

Verhütung ohne Hormone 

Die Natür­li­che Fami­li­en­pla­nung (NFP) umfasst alle Ver­hü­tungs­me­tho­den, die weder Hor­mone noch den Kör­per im All­ge­mei­nen beein­flus­sen. Daher tre­ten auch keine phy­si­schen Neben­wir­kun­gen auf. Auch wenn Fami­li­en­pla­nung im Namen die­ser hor­mon­freien Metho­den ent­hal­ten ist, eig­nen sie sich sowohl für die Pla­nung als auch Ver­mei­dung einer Schwan­ger­schaft. Die erfolg­rei­che Anwen­dung braucht jedoch Übung und Zeit, ein gutes Kör­per­be­wusst­sein sowie eine bewusste Aus­ein­an­der­set­zung mit dem eige­nen Kör­per. Die hor­mon­freien Ver­hü­tungs­me­tho­den ori­en­tie­ren sich am natür­li­chen Mens­trua­ti­ons­zy­klus und ermit­teln anhand ver­schie­de­ner Kri­te­rien, wann der Eisprung statt­fin­det. Dadurch kön­nen sowohl die rund fünf bis sechs frucht­ba­ren als auch die rest­li­chen unfrucht­ba­ren Tage im Mens­trua­ti­ons­zy­klus einer men­stru­ie­ren­den Per­son bestimmt wer­den. Wenn kein Kin­der­wunsch besteht, wird an den frucht­ba­ren Tagen zusätz­lich mit Bar­riere-Metho­den, wie zum Bei­spiel dem Kon­dom, ver­hü­tet. Durch die bewusste Beob­ach­tung des Zyklus wird ein bes­se­res Ver­ständ­nis für den eige­nen Kör­per entwickelt.

Welche Methoden der natürlichen Familienplanung gibt es?

Zu der hor­mon­freien Ver­hü­tung im Rah­men der natür­li­chen Fami­li­en­pla­nung zäh­len zum Bei­spiel die Bil­lings-Methode, Tem­pe­ra­tur-Methode sowie die Sym­pto­ther­male Methode.

1. Billings-Methode

Bei die­ser Methode wird die Ver­än­de­rung der Beschaf­fen­heit des Zer­vix­schleims jeden Tag wäh­rend des Mens­trua­ti­ons­zy­klus beob­ach­tet. Kurz vor und um den Eisprung ver­än­dert sich die Kon­sis­tenz des Schleims, wodurch die frucht­ba­ren Zyklus­tage bestimmt wer­den kön­nen. An den frucht­ba­ren Tagen ist der Zer­vix­schleim eher dünn­flüs­sig und ver­mehrt vor­han­den. Dies hat natür­li­che Vor­teile. Es ist es ein natür­li­ches Gleit­mit­tel, damit die Sper­mien opti­mal zur Gebär­mut­ter wei­ter­ge­lei­tet wer­den. An unfrucht­ba­ren Tagen ist der Zer­vix­schleim eher dick­lich, unelas­tisch oder gar nicht prä­sent. Es braucht auf jeden Fall Übung, den Zer­vix­schleim rich­tig zu kate­go­ri­sie­ren und die Unter­schiede fest­zu­stel­len. Die Ana­lyse des Zer­vix­schleims kann bei einem nor­ma­len Toi­let­ten­gang erle­digt wer­den und pas­siert mit der Zeit ganz nebenbei.

2. Temperatur-Methode

Bei die­ser Methode wird täg­lich oral die Basal­t­em­pe­ra­tur gemes­sen. Die Basal­t­em­pe­ra­tur ist die Kör­per­tem­pe­ra­tur, die mor­gens direkt nach dem Auf­wa­chen und vor dem Auf­ste­hen für drei Minu­ten lang gemes­sen wird. Im Laufe des Mens­trua­ti­ons­zy­klus ändert sich die Basal­t­em­pe­ra­tur. Kurz nach dem Eisprung steigt sie für min­des­tens drei Tage um einige Zehn­tel­grad an. Der Eisprung und somit auch die frucht­ba­ren Tage kön­nen rück­wir­kend fest­ge­stellt wer­den. Es wird so auf die fol­gen­den unfrucht­ba­ren Tage geschlos­sen. Da sich die Basal­t­em­pe­ra­tur nur sehr gering ver­än­dert, ist es wich­tig, dass ein Ther­mo­me­ter mit zwei Nach­kom­ma­stel­len ver­wen­det wird.

3. Symptothermale Methode

Bei die­ser Methode wer­den sowohl die Ver­än­de­run­gen der Basal­t­em­pe­ra­tur als auch des Zer­vix­schleims gemein­sam doku­men­tiert und aus­ge­wer­tet. Es ist also eine Kom­bi­na­tion der Tem­pe­ra­tur­me­thode mit der Bil­lings-Methode und dadurch am Bes­ten geeig­net für die Natür­li­che Familienplanung.

Wie behalte ich den Überblick bei der Natürlichen Familienplanung?

Bei der Natür­li­chen Fami­li­en­pla­nung müs­sen täg­lich ver­schie­dene Merk­male, wie zum Bei­spiel die Basal­t­em­pe­ra­tur und die Beschaf­fen­heit des Zer­vix­schleims, notiert wer­den. Auch der erste sowie letzte Tag der Mens­trua­tion wer­den doku­men­tiert. Im Laufe des Mens­trua­ti­ons­zy­klus kön­nen auch andere Merk­male, wie zum Bei­spiel Stim­mungs­schwan­kun­gen, ver­merkt wer­den. Dies erfor­dert Dis­zi­plin, denn erst mit einer kon­ti­nu­ier­li­chen und gewis­sen­haf­ten Doku­men­ta­tion kön­nen diese Metho­den Sicher­heit bringen.

Je grö­ßer der Zeit­raum, an dem die Daten für die natür­li­che Fami­li­en­pla­nung auf­ge­zeich­net wer­den, desto größer die Sicher­heit eine unge­wollte Schwan­ger­schaft zu vermeiden.

Die Aus­wer­tung und Pro­to­kol­lie­rung der Daten kann sowohl ana­log als auch digi­tal erfol­gen. Hierzu kön­nen zum Bei­spiel ein Mens­trua­ti­on­s­ka­len­der, eine Zyklus-App oder ein Zyklus­com­pu­ter genutzt wer­den. Es ist jedoch emp­feh­lens­wert am Anfang erst ein­mal ganz klas­sisch die Daten schrift­lich in einem Mens­trua­ti­on­s­ka­len­der fest­zu­hal­ten und zu ler­nen, die Merk­male eigen­stän­dig aus­zu­wer­ten. 

Natürliche Familienplanung richtig lernen

Um NFP rich­tig zu ler­nen, ist eine bewusste Beob­ach­tung des eige­nen Kör­pers sehr wich­tig. Es gibt auch aus­ge­bil­dete NFP-Berater*innen, um sich ganz indi­vi­du­ell bera­ten und auf­klä­ren zu las­sen. Es gibt natür­lich auch gute Bücher, um sich selb­stän­dig in das Thema ein­zu­le­sen. Hier zwei Leseempfehlungen:

Und wie verhütest du?

Erzähl uns gerne in den Kom­men­ta­ren oder in einer pri­va­ten Nach­richt von dei­nen per­sön­li­chen Erfah­run­gen mit ver­schie­de­nen Ver­hü­tungs­me­tho­den. Wie ver­hü­test du am liebs­ten? Was funk­tio­niert gut für dich? Und wel­che Metho­den und Mit­tel hast du schon aus­pro­biert? Wir freuen uns von euch zu hören!

Hin­weis: Wie auch die hor­mo­nel­len Ver­hü­tungs­mit­tel, schüt­zen auch die Metho­den der natür­li­chen Fami­li­en­pla­nung nicht vor sexu­ell über­trag­ba­ren Krankheiten.

Britta 
Co-Foun­de­rin Vulvani | britta@vulvani.com | Web­site | + posts

Britta Wiebe ist die Co-Grün­de­rin von Vul­vani. Am liebs­ten recher­chiert, schreibt und kon­zi­piert sie den gan­zen Tag neue Arti­kel oder inno­va­tive Bil­dungs­for­mate rund um Mens­trua­tion. Wenn sie nicht in der wei­ten Welt unter­wegs ist, genießt sie ihre Zeit mit lie­ben Men­schen im schö­nen Hamburg.