Heute zeige ich euch drei Ideen, wie Teen­ager (ähhhm… oder auch ein­fach wir alle!?) spie­le­risch über Mens­trua­tion ler­nen kön­nen. Die drei Spiele sind per­fekt, um die neue gewon­nene Zeit wäh­rend der Corona-Qua­ran­täne für sich zu nut­zen und mehr über die Mens­trua­tion zu ler­nen. Mit Mal­bü­chern, Gesell­schafts­spie­len oder Memory wer­den die Grund­hal­tung sowie das Peri­oden­wis­sen schnell auf den neu­es­ten Stand gebracht. Ganz neben­bei wird es zu etwas ganz Nor­ma­lem und wir wer­den ent­spann­ter im Gespräch dar­über. Auch die Akzep­tanz gegen­über der Peri­ode steigt. Schluss mit Scham und dem pein­lich berührt sein, wenn wir über unse­ren Kör­per reden und ler­nen. Wich­tig ist hier­bei, dass Auf­klä­rung Spaß macht und Akti­vi­tä­ten umfasst, die wir gerne machen. Emo­tio­nale sowie prak­ti­sche Infor­ma­tio­nen müs­sen mit den wis­sen­schaft­li­chen Fak­ten sinn­voll kom­bi­niert wer­den. Und wir soll­ten uns auch immer wie­der Fra­gen: Wie spre­chen wir eigent­lich mit ande­ren Men­schen (spe­zi­ell der jün­ge­ren Genera­tion) über Menstruation?

The Period Game

‚The Period Game’ ist ein Brett­spiel rund um Mens­trua­tion. Es wurde ent­wi­ckelt, um die Art und Weise zu ver­än­dern, wie Mens­trua­ti­ons­wis­sen in Schu­len gelehrt wird. Das Ler­nen über die Peri­ode war noch nie so ein­fach und leb­haft. Es ist eine inno­va­tive Idee um vor allem junge Men­schen auf­zu­klä­ren und dabei dem Peri­oden­scham ent­ge­gen­zu­wir­ken. Das Spiel führt unter­halt­sam und unauf­dring­lich durch ver­schie­dene The­men wie Puber­tät, Mens­trua­ti­ons­zy­klus, Peri­ode oder PMS. Die Teilnehmer*innen ler­nen, was alles im (eige­nen) Kör­per pas­siert. Das Spiel zielt dar­auf ab, aus einer typi­scher­weise unan­ge­neh­men Situa­tio­nen eine lus­tige und posi­tive Lern­er­fah­rung für alle zu machen. Es ist so gut wie unmög­lich, wäh­rend den 30 Spiel­mi­nu­ten Begriffe wie Mens­trua­tion oder Tam­pon nicht laut zu sagen. So wer­den diese Wör­ter natür­lich in den akti­ven Sprach­ge­brauch auf­ge­nom­men und posi­tiv (mit dem Spiel und dem Spaß beim Spie­len) asso­zi­iert. Das Ziel ist es Menstruationsexpert*in zu wer­den. Nur so kannst du gewinnen.

Wer steckt hinter dem Spiel?

Daniela Gils­anz und Ryan Mur­phy haben sich an der Rhode Island School of Design in den USA ken­nen­ge­lernt, wo beide Indus­trie­de­sign stu­diert haben. Die Idee für das Spiel ist bei einem gemein­sa­men Pro­jekt an der Uni ent­stan­den. Die bei­den möch­ten nun mit ‚The Period Game’ den Sexu­al­un­ter­richt in der Schule revo­lu­tio­nie­ren. Sie haben hier­für außer­dem den Red Dot Design Award gewonnen.

Spra­che: Englisch

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Pussy Pairs (Memory)

‘Pussy Pairs’ oder auch ‘Mum­ury’, ist ein Memory-Spiel mit Vulva-Moti­ven. Das Memory soll das Bewusst­sein für Vulva-Diver­si­tät schär­fen und die Viel­falt aller Men­schen zele­brie­ren. Es ist ein künst­le­ri­scher und zugleich leicht pro­vo­kan­ter Eis­bre­cher. Es kann eine visu­elle Hilfe im Rah­men der Sexu­al­erzie­hung sein. Aber ehr­lich gesagt, hilft es allen Men­schen, end­lich auch mal reale Vul­ven zu sehen. Das Spiel for­dert uns her­aus und regt zum Nach­den­ken an, denn die Vor­ur­teile gegen­über dem (weib­li­chen*) Geschlechts­or­gan sind tief in uns ver­an­kert. ‚Pussy Pairs’ möchte neben Vor­ur­tei­len auch Scham­ge­fühle und Berüh­rungs­ängste gegen­über der Vulva abbauen. Statt­des­sen soll die sexu­elle Auto­no­mie sowie mehr Eigen­liebe geför­dert wer­den, in dem ganz nor­male Vul­ven gezeigt wer­den. Das Memory lädt außer­dem zu einem offe­nen Dia­log über die ästhe­ti­schen Vor­stel­lun­gen und auch Zwei­fel in Bezug auf unsere Vulva ein. Das Ziel ist es, mög­lichst viele Paare pas­sen­der Vul­ven zu finden.

Wer steckt hinter dem Spiel? 

Glo­ria Dim­mel stellt seit 2017 Vulva-Repli­kate aus Ton in Wien her. Mitt­ler­weile haben mehr als 130 Per­so­nen an ihrem Pro­jekt teil­ge­nom­men. Auch alle 18 Vul­ven, die wir im Spiel ken­nen­ler­nen, sind Abdrü­cke von ech­ten Men­schen. Ein Teil des Erlö­ses wird außer­dem gespen­det, um die Rechte von Frauen* zu unter­stüt­zen. Im beson­de­ren Fokus steht hier­bei die weib­li­che* Geni­tal­ver­stüm­me­lung, von der welt­weit jähr­lich etwa 200 Mil­lio­nen Mäd­chen* und Frauen* betrof­fen sind.

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Maubeschau (Malbuch)

‚Mau­be­schau’ ist ein lie­be­voll gestal­te­tes Mens­trua­tions-Mal­buch für Men­schen jeden Alters. Das Mal­buch bie­tet unter­schied­li­che Vulva-Illus­tra­tio­nen. Die Zeich­nun­gen zei­gen, wie ver­schie­den und wun­der­schön die Vulva sein kann. Es ist vor allem für die Momente wäh­rend der Mens­trua­tion gedacht, um sich krea­tiv und auf künst­le­ri­sche Weise mit dem eige­nen Zyklus zu ver­bin­den. Das Ziel ist es, dass wir eine posi­tive Hal­tung gegen­über dem men­stru­ie­ren­den Kör­per ent­wi­ckeln und Vulva-Diver­si­tät erle­ben. Das (Aus-)Malen trägt zur Ent­span­nung bei und lädt dazu ein, sich inten­si­ver mit sich selbst aus­ein­an­der­zu­set­zen. Im Buch ist außer­dem ein Mens­trua­ti­on­s­ka­len­der zu fin­den, wo die eigene Stim­mung und wei­tere Merk­male wäh­rend des Mens­trua­ti­ons­zy­klus notiert wer­den kön­nen.

Wer steckt hinter dem Malbuch?

Jenz Mau ist unter ande­rem Künst­le­rin und Schrift­stel­le­rin. Sie schreibt vor allem über Sexua­li­tät und Selbst­liebe. Außer­dem ist sie öffent­lich auch als Pro­sex-Femi­nis­tin aktiv und setzt sich dafür ein, dass alle Men­schen sexu­ell selbst­be­stimmt leben können.

Spra­chen: Die Texte im Buch sind auf Deutsch und Englisch

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Warum wir spielerisch über Menstruation lernen sollten?

Die Idee von Auf­klä­rungs­spie­len liegt vor allem darin, sich auf eine wert­schät­zende Art und Weise dem Thema zu nähern. Am bes­ten in einem lie­be­vol­len, geschütz­ten Raum, der zum (Nach-)Fragen ein­lädt. Das aktive Mit­ma­chen beim Spie­len för­dert die bewusste Aus­ein­an­der­set­zung mit dem eige­nen Kör­per, dem Zyklus und der Mens­trua­tion. Denn die Ein­stel­lung und Wahr­neh­mung des eige­nen Kör­pers hat einen direk­ten Ein­fluss dar­auf, wie wir uns füh­len. Und die Grund­vor­aus­set­zung für einen natür­li­chen und selbst­be­wuss­ten Umgang mit The­men wie Mens­trua­tion oder Frucht­bar­keit ist, dass sich (junge) Men­schen in ihrem eige­nen Kör­per wohl­füh­len und ihm Wert­schät­zung entgegenbringen.

Für wen sind die Spiele geeignet?

Die Ziel­gruppe für die drei Spiele sind eigent­lich Kin­der oder Teen­ager, um die Sexu­al­erzie­hung in der Schule (oder auch zu Hause) zu unter­stüt­zen. Wenn wir spie­le­risch über Mens­trua­tion ler­nen, fällt es uns oft leich­ter. Es sind auch schöne Geschenke für junge Men­schen, gerne schon vor der ers­ten Peri­ode. Ehr­lich gesagt, denke ich aber, dass die Spiele für alle Men­schen jeden Alters geeig­net sind. Denn in den Spie­len geht es nicht nur um klas­si­sche Auf­klä­rung oder reine Wis­sens­ver­mitt­lung. Es geht viel­mehr darum, den Blick­win­kel zu ver­än­dern und eine unvor­ein­ge­nom­mene Per­spek­tive auf Mens­trua­tion und Sexua­li­tät zu erlernen.

Britta 
Co-Foun­de­rin Vulvani | britta@vulvani.com | Web­site | + posts

Britta Wiebe ist die Co-Grün­de­rin von Vul­vani. Am liebs­ten recher­chiert, schreibt und kon­zi­piert sie den gan­zen Tag neue Arti­kel oder inno­va­tive Bil­dungs­for­mate rund um Mens­trua­tion. Wenn sie nicht in der wei­ten Welt unter­wegs ist, genießt sie ihre Zeit mit lie­ben Men­schen im schö­nen Hamburg.